Erdöl im Mittelmeer?

Der schottische Ölkonzern Cairn Energy, vertreten durch die spanische Tochtergesellschaft Capricorn Spain Limited, beabsichtigt, im Golf von Valencia nach Erdöl und -gas zu suchen. Die betroffene Fläche umfasst die sechsfache Größe von Ibiza und Formentera und befindet sich zwischen der Küstenlinie der Autonomieregion Valencia (in einer Distanz von 5 bis 10 km zur Küste) und der gegenüberliegenden Küste Ibizas (in einer Distanz von 35 bis 40 Kilometern).

Dieses Projekt, in dessen Verlauf Cairn Energy mindestens 82.410.000 € zu investieren verspricht, fügt sich ein in eine Reihe ähnlicher Projekte anderer Ölkonzerne, die auf lange Sicht die gesamte spanische Küste betreffen werden: Vom Golf von León bis zu den Kanarischen Inseln, über das Ebro Delta und das Meer vor Alborán. Die Gesamtheit der Förderungsprojekte erstreckt sich über das gesamte Mittelmeer, da es sich um ein eng vernetztes und fast geschlossenes Meer handelt, können die diversen Projekte zahlreiche gesundheitsschädliche Effekte auslösen. Dabei muss man bedenken, dass das Mittelmeer ein sensibles Ökosystem ist, das schon jetzt multiplen Belastungen ausgesetzt ist.

Aber die Erdölsuche ist keineswegs eine unabwendbare Realität. Ein Beweis dafür: Die ursprüngliche Erkundungszone bestand aus fünf Einzelgebieten, benannt Albufera, Benifayó, Gandia, Alta Mar 1 und Alta Mar 2. Doch aufgrund des öffentlichen Widerstands in Valencia und auf den Baleareninseln verzichtete der Ölkonzern bereits auf eine Erdölsuche in unmittelbarer Nähe der valenzianischen Küste, dem Gebiet Albufera. Darüber hinaus verfügt der Konzern noch nicht über die nötigen Umweltgenehmigungen, die für jede einzelne Projektphase speziell beantragt werden müssen.

Erkundung und Förderung fossiler Brennstoffe im levantisch-balearischen Gebiet

Erkundung und Förderung fossiler Brennstoffe im levantisch-balearischen Gebiet

In den anderen vier gekennzeichneten Gebieten sollen in einer Tiefe zwischen 50 und 2000 Metern Bohrungen durchgeführt werden. Die Arbeit in derart tiefen Gewässern birgt aufgrund der Druckverhältnisse große Gefahren. Ab einer Tiefe von 500 Metern steigen die Risiken exponentiell. Durch die geringe Sicht und die fehlende Möglichkeit auf einen direkten Zugriff steigt die Gefahr zusätzlich.

Die Exploration und mögliche spätere Erölförderung der fossilen Brennstoffe könnte gravierende Auswirkungen auf die Umwelt und die Ökonomie der Balearen und des Festlandes mit sich bringen. Denn die Gebiete leben vom Tourismus und der Fischerei, Industriezweige, die von einem intakten und gesunden Ökosystem im Golf von Valencia abhängig sind.

Details der Genehmigungen:

Gebiete*Antrag auf ExplorationsgenehmigungBewilligung der ExplorationsgenehmigungAnmerkungen
Genehmigt durch den Ministerrat. Gültigkeit bis Januar 2017, verlängerbar.
Albufera
Benifayó
Gandía
BOE (im staatlichen Amtsblatt veröffentlicht, vergleichbar mit „Bundesanzeiger“) vom 19. August 2006RD 1775/2010 („Königlicher Erlass“), vom 23. Dezember, und veröffentlicht im BOE am 22. Januar 2011.Ein Jahr später wurden die gesamten erteilten Lizenzen per Ministerialerlass ITC/3599/2011 (veröffentlicht im BOE am 2. Januar 2012) von MedOil an die andere Tochtergesellschaft der Cairn Energy – Capricorn Spain Limited – übertragen. Das Gebiet Albufera wurde aufgrund der Umweltgenehmigungen nicht übertragen.
Alta Mar 1
Alta Mar 2
BOE vom 20. September 2008RD 1774/2010, vom 23. Dezember, veröffentlicht im BOE vom 22. Januar 2011.Ausbesserung von Fehlern des RD 1774/201 vom 23. Dezember durch BOE vom 3. Februar 2011.

* Jedes dieser Gebiete ist größer als Ibiza und Formentera zusammen.

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