Phasen der Rohstoffsuche

Seitdem die Ära des „einfachen Erdöls“ beendet ist, sucht die Erdölindustrie auch in Gebieten nach fossilen Brennstoffen, die bis vor einigen Jahrzehnten aufgrund erhöhter Kosten und Risiken noch nicht rentabel war: Auf hoher See. Die Suche nach diesen Vorkommen (Exploration und Förderung) unter dem Meeresgrund, besteht aus zwei Phasen:

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ERFASSUNG

Der Ölkomzern sucht bathymetrische, seismische, magnetische und gravimetrische Informationen, Daten aus geologischen Messungen, darunter auch Satellitenaufnahmen genehmigter sowie benachbarter Gebiete, und er führt Umweltstudien durch.

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1. PHASE: ERFASSUNG

2. PHASE

ERFASSUNG

SEISMISCHE ERHEBUNGEN

TESTBOHRUNG

FÖRDERUNG

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SEISMISCHE ERHEBUNGEN

Mithilfe von akustischen Messungen wird die Wahrscheinlichkeit ergiebiger Öl- und Gasvorkommen ermittelt. Eine Pressluft-Kanone feuert von einem Schiff aus hochkomprimierte Schallwellen in das Meerwasser ab. Wassermikrofone werden hinter einem Messschiff an der Wasseroberfläche nachgeschleppt und erzeugen ein Bild vom Meeresboden, ähnlich einer Echographie.

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1. PHASE: ERFASSUNG

2. PHASE

ERFASSUNG

SEISMISCHE ERHEBUNGEN

TESTBOHRUNG

FÖRDERUNG

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HÖREN

Es werden Schallwellen zwischen 215 und 265 dB (Dezibel) und mit Frequenzen von 10 bis 250 Hz (Herz) erzeugt, die den Meeresboden auf bis zu 7.000 Metern durchdringen. Der erzeugte Lärm ist 10.000 bis 100.000 Mal lauter als der Motor eines Düsenjets. Der Lärmpegel ist doppelt so groß wie die menschliche Schmerzgrenze. Diese Explosionen finden durchgehend über mindestens drei Monate statt.

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1. PHASE: ERFASSUNG

2. PHASE

ERFASSUNG

SEISMISCHE ERHEBUNGEN

TESTBOHRUNG

FÖRDERUNG

SEISMISCHE
VERMESSUNGEN

MOTOR EINES
DÜSENJETS

MOTORRAD

SPRECHEN

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Die Druckluftschallwellen führen zu irreversiblen physiologischen Schäden bei Meeressäugern und sogar zu deren Tod. Diese Schallfrequenzen ähneln solchen, die diese Tiere zur Kommunikation und Orientierung nutzen und verändern somit deren Verhalten. Bei Schildkröten können sie zu ernsthaften Schäden der Organe, des Schädels oder des Panzers führen. Sie verringern die Fischfangzahlen und Bedrohen die Schutzgebiete des Roten Thunfisches. Es findet eine Verschmutzung durch Lehm und Schlamm oder andere Schadstoffe wie Arsen, Blei oder Benzol statt, die durch die Schallwellen vom Meeresboden abgelöst werden.

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1. PHASE: ERFASSUNG

2. PHASE

ERFASSUNG

SEISMISCHE ERHEBUNGEN

TESTBOHRUNG

FÖRDERUNG

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EXPLORATIONS- BOHRUNGEN

Zur Probenentnahme der fossilen Brennstoffe wird kilometerweit steiniges Substrat unter dem Meeresboden angebohrt. Dies ist die teuerste und aufgrund der Ölentweichungsgefahr die gefährlichste Phase der Exploration. Die Katastrophe der Deepwater-Horizon Plattform der BP im Golf von Mexico ereignete sich in dieser Phase der Untersuchung. So wie die Entweichungen der Quellen Lubina-1 und Montanazo-D5 der Casablanca-Plattform die, wenn auch nicht in so katastrophalem Ausmaß, die Küsten von Tarragona betrafen.

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1. PHASE: ERFASSUNG

2. PHASE

ERFASSUNG

SEISMISCHE ERHEBUNGEN

TESTBOHRUNG

FÖRDERUNG

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FÖRDERUNG

Abhängig von der Lage der Quelle wird das Rohöl mit Tankschiffen oder durch eine Pipeline abtransportiert. Die Gefahr einer Ölpest wäre in diesem Gebiet kontinuierlich gegeben. Die Nutzung der geförderten Brennstoffe würde zum Klimawandel, zur Küstenerosion und zum Meeresspiegelanstieg in diesem Gebiet des Mittelmeeres beitragen.

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1. PHASE: ERFASSUNG

2. PHASE

ERFASSUNG

SEISMISCHE ERHEBUNGEN

TESTBOHRUNG

FÖRDERUNG

 

Erste Phase: Seismische Vermessungen

Begonnen wird mit der Exploration unterirdischer geologischer Formationen, in denen potenziell Einschlüsse von Gas und/oder Erdöl möglich sind (geologische Einschlüsse). Diese Exploration umfasst die Entnahme von Sedimentproben vom Meeresgrund mithilfe der Seismik.

Seismische Messungen im Meer von Ojotsk. © <a href="http://www.flickr.com/photos/g75405/4901729704/">g75405</a>

Seismische Messungen im Meer von Ojotsk. © g75405

Die Suche erfolgt durch komplexe seismische Methoden. Mithilfe von sogenannten Airguns wird die Wahrscheinlichkeit ergiebiger Öl- und Gasvorkommen ermittelt. Eine Pressluft-Kanone feuert von einem Schiff aus hochkomprimierte Schallwellen in das Meerwasser ab. Wassermikrofone, die sogenannten Streamer, werden hinter einem Messschiff an der Wasseroberfläche nachgeschleppt und erzeugen ein Bild vom Meeresboden, ähnlich einer Echographie. Es werden Schallwellen zwischen 215 und 265 dB (Dezibel) und mit Frequenzen von 10 bis 250 Hz (Herz) erzeugt, die den Meeresboden auf bis zu 7.000 Metern durchdringen. Der erzeugte Lärm kann noch in 1000 Kilometern Entfernung gehört werden und ist 10.000 bis 100.000 Mal lauter als der Motor eines Düsenjets, dieser erreicht einen Pegel von 140 dB. Der Lärmpegel ist doppelt so hoch wie die menschliche Schmerzgrenze. Diese Explosionen finden durchgehend statt: 24 Stunden täglich, sieben Tage die Woche, über einen Zeitraum von zirka vier Monaten.

Momentan gibt es weltweit etwa 100 Schiffe, die seismische Vermessungen durchführen.

Audiofile: Hörprobe einer Pressluftkanone, die bei diesen Messungen eingesetzt wird
Pressluft-Kanonen, abgefeuert im 10-15 Sekundentakt. Hörbar noch in einer Entfernung von 1000 Kilometern

Negative Auswirkungen der seismischen Vermessungen

Selbst wenn die seismischen Vermessungen geografische Schiebungen ermitteln, ist es in dieser ersten Phase noch nicht möglich, mit Sicherheit festzustellen, ob die fossilen Brennstoffvorkommen so groß und qualitativ hochwertig sind, dass sich eine kommerzielle Förderung lohnen würde. Um diese Zweifel auszuräumen, muss die zweite Projektphase eingeleitet werden: die Probebohrung.

Zweite Phase: Testbohrung

Bohrungen in der Nordsee © <a href="http://www.flickr.com/photos/bryanburke/2440895677/">Bryan Burke</a>

Bohrungen in der Nordsee © Bryan Burke

Bei einer Testbohrung werden nicht nur Proben entnommen. In den meisten Fällen wird die Quelle bereits so angebohrt, dass das Bohrloch später auch für die Förderung verwendet werden kann (beim Cairn Energy-Projekt werden diese Bohrungen in Tiefen zwischen 50 und 2000 Metern stattfinden). In der Regel werden kilometerweit Gesteinsschichten unter dem Meeresgrund angebohrt, um die Qualität, die Quantität und die Art der in der geologischen Formation eingeschlossenen, förderbaren fossilen Brennstoffe zu ermitteln.

Das Endergebnis dieser Sondierung ist daher eine komplett vorbereitete Quelle, an die nur noch ein System zur Entleerung und Förderung von Erdöl oder -gas angeschlossen werden muss. Je nach Resultat der entnommenen Probe, wird die Quelle entweder versiegelt und aufgegeben oder nur temporär versiegelt, um die Genehmigungen für die Förderung abzuwarten.

Dies ist die teuerste und in Bezug auf mögliche folgenschwere Ölaustritte auch die gefährlichste Phase der Untersuchung. Zwischen 1959 und 2011 wurden in Spanien 688 Quellen angebohrt, um nach fossilen Brennstoffen zu suchen. Insgesamt lieferten nur 25 dieser Testbohrungen Ergebnisse, die eine rentable Förderung versprachen. Davon sind heute noch 14 in Betrieb.

Beispiele von Unfällen, die bei Testbohrungen von Ölquellen passierten, sind die Explosion der BP-Plattform im Golf von Mexiko (Deepwater Horizon) im April 2010 und die Havarien auf den Repsol-Plattformen im Jahr 2009 an den Quellen Lubina-1 und Montanazo-D5 (in geringerem Ausmaß) vor der Küste von Tarragona. Diese drei Quellen wurden in Tiefen von mehr als 600 Metern unter dem Meeresspiegel erschlossen, d.h. in tiefen Gewässern.

Erweiterte Risiken bei Förderung in tiefen Gewässern

Sind die Probebohrungen erfolgreich, ist der nächste Schritt die kommerzielle Förderung.

Dritte Phase: Kommerzielle Förderung

Hierfür benötigt die Betreibergesellschaft neue Genehmigungen, die sich ausschließlich auf die Förderungsaktivitäten beziehen. Sollte diese erteilt werden, führt man vertikale und im Meeresboden meist horizontal abgelenkte Förderbohrungen durch, die dann in einem größeren Umkreis die fossilen Brennstoffe in den jeweiligen geologischen Schichten erschließen. Erst dann werden die Bohrplattformen zu Förderplattformen umgebaut (und ggf. auch Verladeplattformen erstellt), in denen das Öl und Gas aufbereitet und verschifft oder in Pipelines gepresst wird. Die Förderung kann 10 bis 20 Jahre andauern.

Während der Nutzung einer Ölquelle ist das Risiko von Ölentweichungen erhöht, zudem findet eine systematische Verschmutzung durch Erdöl statt. Die korrekte Wartung der Installationen während der gesamten Nutzungsdauer ist fundamental, um die Entweichungen zu minimieren und um zu vermeiden, dass Erdöl die Küsten verschmutzt. Diese Wartungsarbeiten sind jedoch sehr teuer und werden oft nur unzureichend durchgeführt. Aufgrund der mangelhaften Wartung der Installationen, sind auf der Ölplattform Casablanca vor der Küste Tarragonas bereits mehrere Entweichungen aufgetreten.

Negative Effekte im Meer durch Förderung fossiler Brennstoffe

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